Tobias Scheible
Web-Entwickler, Ingenieur & Dozent

Datum: Sonntag, 13. März 2011

Autor: Tobias Scheible

Kommentar(e): 3 Kommentare

Kategorie: Cloud Computing

Tags: Cloud Computing, IT-Branche, Infrastruktur, Rechenleistung, SaaS, Speicherplatz, Trend

Was ist eigentlich Cloud Computing?

Cloud Computing war einer der Hypes im Jahr 2010 und wird ein Hauptthema für Entwickler in diesem Jahr sein. Viele der beliebtesten Online-Dienste wären ohne die „Cloud“ nicht möglich. Aber was ist denn eigentlich Cloud Computing?

Bildbearbeitung mit einem alten Rechner, 1000GB Daten mit einem Handy verwalten und ein ganzes Unternehmen mit einem Web-Browser organisieren: das ist alles Cloud Computing. Vereinfacht kann das Konzept so beschrieben werden, dass keine eigene IT-Infrastruktur selbst mehr betrieben wird, sondern bei einem Anbieter angemietet wird. Dadurch werden IT-Dienste als Service über das Internet bezogen und sind überall verfügbar, wo ein Internetanschluss vorhanden ist. Diese Dienste reichen von einfacher Datenablage bis hin zu leistungsintensiven Berechnungen. Der Name Cloud Computing kommt von der Metapher „Wolke“, die in Netzwerkdiagrammen zur Darstellung eines nicht näher spezifizierten Bereichs verwendet werden.

Eines der prominentesten Beispiele ist die kostenlose online Office-Anwendung Google Docs. Hierbei werden die Daten auf den Servern irgendwo auf der Welt gespeichert. Die Berechnung der Tabellenkalkulation wird in den riesigen Serverfarmen von Google durchgeführt. Dies geschieht alles völlig transparent dem Benutzer gegenüber, der auf alle Funktionen über die Benutzeroberfläche des Web-Browsers zugreifen kann.  Damit steht eine Office- Anwendung zur Verfügung, die nicht installiert werden muss und die jederzeit und überall auf alle gespeicherten Daten zugreifen kann. Die minimale Anforderung dafür ist ein Rechner mit einem Web-Browser und einem Internetzugang. Google Docs ist ein Paradebeispiel für die Verwendung der Clouds. Einige weitere Beispiele für die Nutzung der Clouds sind: Dropbox, Flickr und YouTube.

Bisher dominierten zwei Modelle die Datenverarbeitung. Die Verarbeitung von Daten mit Hochleistungscomputern in Rechenzentren ist die älteste Variante. Die Nachfolger-Variante ist das Client/Server Modell, bei dem mehrere Rechner über einen Server miteinander verbunden werden. Als nächster Entwicklungsschritt ist nun das Cloud Computing dazugekommen. Anwendungen werden nicht mehr lokal ausgeführt und Daten nicht mehr lokal gespeichert, sondern auf einer externen Infrastruktur ausgelagert. Die dafür verwendeten Technologien sind nicht neu, aber die Nutzung ist ein neuer Weg. Zum Beispiel verwendet SaaS (Software as a Service) ähnliche Prinzipien und hat den gleichen Hintergrund. Auch hier wird eine Leistung transparent für Nutzer bereitgestellt. Allerdings agiert man bei Cloud Computing nicht auf dem Bereich der Anwendungen, sondern eher auf der Ebene von Daten und Rechenleistung. Eine Web-Anwendung für die Verwaltung von Fotos läuft zum Beispiel auf einem Web-Server, benutzt aber für die Speicherung der großen Datenmengen einen Cloud-Service. Damit geht es bei Cloud Computing eher um die Schnittstelle zu einem Service und nicht um eine Anwendung.

Der größte Vorteil von Cloud Computing ist der Kostenvorteil. Da die Leistungen oft bedarfsgerecht angemietet werden können, wird nur für die wirklich verwendete Leistung bezahlt. Benötigt man zum Beispiel viel Rechenpower und schafft sich ein entsprechendes System selber an, muss es kontinuierlich ausgelastet sein, damit es sich rechnet. Gerade für kleine Unternehmen, die sich so ein System nicht anschaffen können, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Ein weiterer Vorteil ist, dass von verschiedenen Orten auf die Leistungen zugegriffen werden kann.  Große Datenmengen sind damit für alle Zugriffsberechtigten überall verfügbar. Des Weiteren werden die IT-Abteilungen entlastet, da sie diese Systeme nicht mehr pflegen müssen. Das reduziert wieder die Kosten und verbessert die Energiebilanz, da große Rechenzentren effektiver betrieben werden können. Solche Rechenzentren können auch mehr Personal und ein größeres Budget in die Verfügbarkeit der Systeme investieren als jedes Unternehmen für sich selbst. Und wie Google mit seinen Werbespots demonstriert hat, bleibt ein Absturz oder gar ein Verlust des eigenen Rechners für die Daten folgenlos.

Den Vorteilen stehen natürlich auch einige Nachteile gegenüber. So weiß man nicht mehr, wo genau die eigenen Daten gespeichert sind. Wenn die Daten auf Servern in verschiedenen Ländern verteilt werden, unterliegen diese auch den jeweiligen Gesetzen des Landes. Die Daten müssen neben der Speicherung in der Cloud auch bei der Übertragung und auf mobilen Endgeräten geschützt werden. Gerade bei sensiblen Daten stellt dies ein Problem dar. Ein weiterer Faktor ist die Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Internetverbindung. Besteht keine Verbindung zum Anbieter, ist kein Arbeiten mehr möglich. Des Weiteren begibt man sich in eine starke Abhängigkeit des jeweiligen Anbieters. Ist dieser nicht mehr verfügbar, gibt es keine Möglichkeit mehr, auf die dort gespeicherten Daten zuzugreifen.

Ein häufig herangezogener Vergleich ist die Entwicklung des Stromnetzes Ende des 19. Jahrhunderts. Damals erfolgte die Umstellung von vielen lokalen Stromerzeugern hin zu einem landesweiten Stromnetz mit zentralen Großkraftwerken. Dasselbe geschieht nun in der IT-Branche, Speicherplatz und Rechenleistungen werden zentral bereitgestellt. Dieser Prozess fördert eine Art Demokratisierung der IT-Branche. Ein kleines Startup kann per Cloud mit einem globalen Unternehmen konkurrieren, ohne eine eigene Infrastruktur aufzubauen. Ich glaube, dass die zukünftigen Konsequenzen für IT-Anwender und  IT-Anbieter kaum abzuschätzen sind und die kurzen Innovation-Zyklen der mobilen Plattformen werden die Weiterentwicklung des Cloud Computings mit einem sehr hohen Tempo vorantreiben.

Weitere Informationen: http://de.wikipedia.org/wiki/Cloud_Computing

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Über Tobias Scheible

Tobias Scheible

Tobias Scheible arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Dort ist er als Autor und e-Tutor im Masterstudiengang Digitale Forensik tätig und leite im Bachelorstudiengang IT Security Praktika rund um das Thema Informationssicherheit. Darüber hinaus ist er Mitinitiator des Kompetenzzentrums Cyber Security Lab, welches Forschungsprojekte auf dem Gebiet der IT-Sicherheit koordiniert. Zusätzlich hält er Vorträge und Workshops zu aktuellen Themen der IT-Sicherheit.

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Kommentare

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