Tobias Scheible Cyber Security & IT-Forensik Dozent
Jitsi Meet Webkonferenz

Artikelserie: Videokonferenzen mit Jitsi Meet

Das Webkonferenzsystem Jitsi ist momentan in aller Munde. Durch die einfache Installation des Open-Source-Systems Jitsi Meet lässt sich sehr einfach ein eigener Server aufsetzen. Damit können dann datenschutzfreundlich Video-, Web- und Telefonkonferenzen durchgeführt werden.

Montag, 23. März 2020
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17.05.2020 Abschnitt über häufige Fragen ergänzt.

Jitsi ist ein Open-Source-Projekt, das aus einer Sammlung von verschiedenen Anwendungen besteht, mit denen sich Webkonferenzsysteme realisieren lassen. Dabei wird mit Jitsi das gesamte Projekt bezeichnet und Jitsi Meet beschreibt das fertige Bündel für die Installation auf einem Server mit dem Interface für den Webbrowser. Das Jitsi-Projekt begann mit dem Jitsi-Desktop, früher als SIP Communicator bezeichnet. Mit dem Wachstum von WebRTC verlagerte sich der Schwerpunkt des Projektteams auf die Jitsi Video Bridge, um webbasierte Videogespräche mit mehreren Teilnehmern zu ermöglichen. Später fügte das Team Jitsi Meet hinzu, eine vollständige Videokonferenzanwendung, die neben dem Server mit der Weboberfläche noch einen Android- und iOS-Clients umfasst. Jitsi betreibt auch meet.jit.si, eine Version von Jitsi Meet, die von Jitsi für die kostenlose Nutzung durch die Gemeinschaft bereitgestellt wird.

Die Entwicklung von Jitsi

2003 begann die Entwicklung von Jitsi unter dem Namen SIP Communicator im Rahmen eines Studentenprojekts von Emil Ivov an der Universität Straßburg. Im Jahr 2009 gründete Emil Ivov die Firma BlueJimp, die einige von Jitsis Hauptbeitragszahlern angestellt hat, um professionelle Unterstützung und Entwicklungsdienste im Zusammenhang mit dem Projekt anzubieten. Im Jahr 2011 wurde das Projekt, nachdem es erfolgreich Unterstützung für die Audio-/Videokommunikation über die Jingle-Erweiterungen von XMPP hinzugefügt hatte, in Jitsi umbenannt. Dieser Name stammt vom bulgarischen „жици“. (Drähte). Jitsi führte die Video Bridge 2013 ein, um Mehrparteien-Videoanrufe mit seinen Jitsi-Kunden unter Verwendung einer neuen Selective Forwarding Unit (SFU)-Architektur zu unterstützen. Später im selben Jahr wurde die Jitsi Videobridge um eine erste Unterstützung für WebRTC-Anrufe über den Browser erweitert. Um zu demonstrieren, wie Jitsi Videobridge als Produktionsdienst genutzt werden konnte, bot BlueJimp eine kostenlose Nutzung seines gehosteten Systems unter meet.jit.si an. Am 4. November 2014 erzielte „Jitsi + Ostel“ 6 von 7 Punkten auf der „Secure Messaging Scorecard“ der Electronic Frontier Foundation. Sie verloren einen Punkt, weil es in jüngster Zeit kein unabhängiges Code-Audit gegeben hat. Am 1. Februar 2015 veröffentlichten Hristo Terezov, Ingo Bauersachs und der Rest des Teams die Version 2.6 auf ihrem Stand auf der Veranstaltung „Free and Open Source Software Developers‘ European Meeting 2015“ in Brüssel. Diese Version enthält Sicherheitskorrekturen, entfernt die Unterstützung des veralteten MSN-Protokolls, zusammen mit SSLv3 in XMPP. Nach der Übernahme durch Atlassian stellte das neue Jitsi-Team unter Atlassian die sinnvolle neue Entwicklungsarbeit am Jitsi-Desktop-Projekt ein und erweiterte seine Bemühungen um Projekte im Zusammenhang mit der Jitsi Videobridge und Jitsi Meet. Jitsi wird vollständig von 8×8 finanziert.

Bestandteile von Jitsi

Das Open-Source-Projekt Jitsi besteht aus vielen verschiedenen Projekten. Auf Github verzeichnet das Projekt über 100 Repositories. Zu den wichtigsten Projekten von Jitsi gehören:

  • Jitsi Meet – Videokonferenz-Server für schnelle Installation auf Debian/Ubuntu-Servern
  • Jitsi Videobridge – WebRTC Selective Forwarding Unit-Engine zur Steuerung von Mehrparteienkonferenzen
  • Jigasi – eine serverseitige Anwendung, die Links ermöglicht, dass reguläre SIP-Clients an Konferenzen teilnehmen können
  • Jibri – bietet Dienste für die Aufzeichnung oder das Streaming einer Jitsi-Meet-Konferenz an
  • lib-jitsi-meet – eine Low-Level-JavaScript-API zur Bereitstellung einer angepassten Benutzeroberfläche für Jitsi Meet

Eigene Jitsi Meet Instanz

Nachdem ich sehr viel Feedback zu meiner Jitsi Meet Artikelserie bekommen habe, betreibe ich nun einen eigenen öffentlichen Jitsi Meet Server. Der Server ist bei Netcup gehostet und verwendet eine datenschutzfreundliche Konfiguration. Außerdem werden keine Protokolle erstellt und keine Dienste Dritter genutzt.

Meine Jitsi Meet Instanz ist unter der folgenden URL erreichbar:
https://meet.scheible.it

Häufige Fragen zu Jitsi Meet

Was ist Jitsi Meet?

Jitsi Meet ist eine Softwarelösung, um Videokonferenzen ohne Installation mit dem Webbrowser über das Internet durchzuführen. Es besteht aus mehreren Softwarekomponenten und kann, da es eine Open-Source-Software ist, auf einem eigenen Server installiert werden.

Wie funktioniert Jitsi Meet?

Jitsi Meet nutzt einen zentralen Server, mit dem sich die Teilnehmer per Webbrowser verbinden. Darüber können Webkonferenzen entweder nur per Audio oder mit Webcam durchgeführt werden. Dieser empfängt die Videos und verteilt sie an alle Teilnehmer der gleichen Konferenz.

Wie sicher ist Jitsi Meet?

Jitsi Meet nutzt ausschließlich verschlüsselte Verbindungen für die Kommunikation. Da kein Account angelegt werden muss, können auch keine Passwörter geklaut werden. Von mehreren unabhängigen Organisationen wurde das Jitsi Projekt als sicher eingestuft.

Wer steckt hinter Jitsi Meet?

Jitsi ist ein frei verfügbares Open-Source-Projekt, an dem sich viele Entwickler beteiligen. Hinter der Entwicklung des freien Projekts stand das Unternehmen BlueJimp, welches 2015 von Atlassian übernommen wurde und 2018 wiederum vom Unternehmen 8×8, das heute das Projekt finanziert und die Technologien selbst einsetzt.

Was ist der Unterschied zwischen Jitsi und Jitsi Meet?

Jitsi ist der Namen des gesamten Projektes mit mehreren Bestandteilen. Jitsi Meet ist der Teil, über den eine Webkonferenz durchgeführt werden kann. Weitere Bestandteile sind die Jitsi Videobridge und der Jitsi Desktop.

Jitsi Meet Artikelserie

Die Artikelserie „Videokonferenzen mit Jitsi Meet“, die sich mit dem Webkonferenzsystem Open-Source-System Jitsi für Video-, Web- und Telefonkonferenzen beschäftigt, umfasst die folgenden Blogartikel:

Über Tobias Scheible

Tobias Scheible

Hallo, mein Name ist Tobias Scheible. Ich bin begeisterter Informatiker und Sicherheitsforscher mit den Schwerpunkten Cyber Security und IT-Forensik. Mein Wissen teile ich gerne anhand von Fachartikeln hier in meinem Blog. Als Referent halte ich Vorträge und Workshops für Verbände und Unternehmen u. a. auch offene Veranstaltungen für den VDI und die IHK.

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